Samstag, 9. Dezember 2017

Als Dein Blick mich traf - Nicole Jacquelyn - Rezension

Als Dein Blick mich traf 
Roman
Bastei Lübbe Taschenbuch
ISBN 978-3-404-17651-9
Erscheinungstag: 24.11.2017
Nicole Jacquelyn


Die wichtigsten Personen in dem Buch Als Dein Blick mich traf sind Ani und Bram.

Ani ist im Alter von 16 Jahren von denselben Pflegeeltern adoptiert worden, die auch Bram und seinen Zwillingsbruder Alex adoptiert hatten. Bram und sein Bruder waren bereits erwachsen, so dass sie nicht mit Ani gemeinsam unter einem Dach aufwuchsen, doch durch die enge Familienbande stets in Kontakt standen.

Ani reagiert oft schroff und lässt sich nicht gern in die Karten gucken. Mit Bram gerät sie bei Treffen stets aneinander. Das ist auch Jahre später noch so, als Ani 30 Jahre alt und längst erwachsen ist.

Bram hält sehr an seinen Werten fest und ist davon mehr als überzeugt. Er wirkt deshalb stur und eigenbrödlerisch. Wenn er Ani mit anderen männlichen Familienmitgliedern - in beispielsweise einer Umarmung - sieht, wird er eifersüchtig.

In dem Roman geht es um Konfliktlösung innerhalb einer werdenden Beziehung. Im Blickpunkt steht dabei stets der Kinderwunsch.

Blickt man auf die Anekdote, die über die Schriftstellerin Nicole Jacquelyn bekannt ist, verwundert das auch nicht.

"Als Nicole Jacquelyn mit acht Jahren gefragt wurde, was sie mal werden wolle, antwortete sie mit: Mutter. Mit zwölf Jahren änderte sich ihre Antwort zu: Autorin. Diese Ziele hat sie konstant verfolgt. Zuerst wurde sie Mutter, und während ihres Abschlussjahres am College - mit einem Kind in der ersten Klasse und dem zweiten in der Vorschule - schrieb sie ihren ersten Roman." - Bastei Lübbe über die Autorin

Der Roman ist so aufgebaut, dass jeweils abwechselnd aus der Sicht von Ani und Bram in der Ich-Form erzählt wird. Auf diese Weise lässt die Autorin zu, dass wir den Gefühlen und Gedanken beider Protagonisten näher sind.

Die Geschichte gestaltet sich in drei Sinnabschnitte:  Zuerst lernen wir die Protagonisten kennen, im zweiten Abschnitt kommen Ani und Bram sich näher und im letzten Teil erfahren wir mehr über die Hintergründe und Zusammenhänge zu den Konflikten in der Beziehung.

Dabei sind die Handlungen der Charaktere stets nachvollziehbar und mit den Personen authentisch. Der Schreibstil ist flüssig und gut verständlich. Die Sätze sind präzise und umgangssprachlich modern gehalten.

Dieser Roman hat eine Jugendfreigabe ab 16 Jahren, denn auch die Szenen der Liebe sind präzise formuliert.

"Wenn wir Sex ohne Gummi haben, schläfst Du aber mit niemand anderem." Seite 115

Meine Meinung:
Mir hat das Buch von Anfang an Freude bereitet. Der Erzählstil -  vor allem im Wechsel zwischen den Protagonisten - ist flüssig und ich muss mir um die ganzen Personen rundherum keine Gedanken machen: Falls ich  mal vergessen habe, wer mit wem wie in Verbindung steht: Die Autorin hat einen Stammbaum vorbereitet. Darin ist auch bereits der erste Band Als mein Herz zerbrach eingearbeitet - die enthaltenen Personen werden uns wieder begegnen. Die Serie heißt Unbreak my heart und wird weiter fortgeführt.

Zur Geschichte kann ich sagen, dass sie sehr lebhaft geschrieben ist. Wenn alle gemeinsam am Abendbrottisch sitzen, habe ich das Gefühl, dabei zu sein, mit den Familienmitgliedern zu erzählen, zu lachen und zu weinen.

Dieses Buch ist für alle geeignet, die alt genug sind (Altersfreigabe beachten) und sich unterhalten wissen wollen. Ein emotionaler Roman der einen mitnimmt.

Ich freue mich schon auf die weiteren Bände dieser Serie.












Samstag, 4. November 2017

Margarete von Schwarzkopf - Der Moormann

Margarete von Schwarzkopf befindet sich derzeit auf eigener Lesereise. Unterwegs ist sie mit ihrem Krimidebüt Der Moormann. Die Premierenlesung fand am 17. Oktober 2017 in Hannover statt und bei ihrer dritten Lesung, am 29. Oktober 2017 in Braunschweig im Hotel Deutsches Haus, durfte auch ich zu Gast sein.

Da warte ich noch gespannt auf den Beginn der Lesung
Foto: Cornelia Fett
Margarete von Schwarzkopf moderiert zahlreiche Lesungen anderer Autoren und es gelingt ihr mühelos, sich selbst und ihr Buch vorzustellen.

Im Rahmen der Lesung erfahren wir auch ein wenig über Margarete von Schwarzkopf selbst und wie viel von ihrer eigenen Person zwischen den Seiten ihres Krimis Der Moormann steckt. Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. In der Gegenwart ist Anna Bentorp die Protagonistin. Drei Dinge hat sie mit Margarete von Schwarzkopf gemein: sie ist unendlich neugierig, sie interessiert sich vor allem für die Geschichte von England und Irland und sie sammelt leidenschaftlich gerne Kaffeebecher.

Während der Lesung erfahren wir immer mehr persönliche Details von Margarete von Schwarzkopf und zahlreiche geschichtliche Anekdoten. Einige werden uns auch im Buch Der Moormann wieder begegnen.

Margarete von Schwarzkopf ist in München und Bonn aufgewachsen. Sie ist katholisch und hat - vor gefühlten 100 Jahren - einen Sohn vom Hof geehelicht. Es war eine ökumenische Hochzeit seinerzeit und das war in den 70er Jahren noch sehr ungewöhnlich. Die Menschen im Dorf munkelten, sie müssten wohl heiraten, doch Margarete von Schwarzkopf war zu diesem Zeitpunkt nicht schwanger.

An diesem Hof stand ihr eine Person stets zur Seite. Und dieser Person widmet sie in dem Buch Der Moormann die Figur der  Anke Kück. Nicht alle Eigenschaften und auch nicht der Ehemann der Anke Kück sind wahr. Doch viele Merkmale gehören zu eben dieser realen Person, die im wirklichen Leben natürlich ganz anders heißt.

Auch wenn Margarete von Schwarzkopf zum Zeitpunkt der Eheschließung nicht schwanger war - im Laufe der Jahre schenkte sie sechs Kindern das Leben.

Ihr ältester Sohn beispielsweise heißt Richard. - Ihr Schwiegersohn heißt Richard (englische Sprachweise). Und ihr Sohn Richard - Jurist - beschwerte sich bei seiner Mutter Margarete von Schwarzkopf, dass ihre Helden in den Büchern immer andere Namen tragen und nie Richard heißen. So machte sich die Autorin Gedanken, wie sie einen wirklich finsteren Bösewicht und Mörder namens Richard in die Geschichte einbinden könnte. Doch während sie schrieb, wurde Richard zu einer gutaussehenden, angenehmen Person. Und auch ihr Sohn intervenierte dringend, dass sie ja keinen Mörder aus ihm in der Geschichte machen sollte. - So wurde Richard in ihrer Geschichte zu einem Antiquariatsbesitzer in Hannover.

Nebenbei sei bemerkt, dass sich die Lektorin auch ein wenig in die Figur des Richards "verliebt" hat. Er soll unbedingt wieder in einem nächsten Buch von Margarete von Schwarzkopf mitspielen.

Auf dem Weg zur Lesung im Hotel Deutsches Haus, Braunschweig
Foto: Cornelia Fett
Der Moormann lebt zudem von historischen Hintergründen in der Zeit Georg III. Georg III. hat in seinen "hellen" Momenten Aufträge gegeben, Karten von Regionen anzufertigen. Und eben um diese Karten geht es auch in Der Moormann.

Damals, 1714, so erzählt Margarete von Schwarzkopf, ging Georg I. nach England. Georg I. genauso wie sein Nachfolger Georg II. reisten oft nach Hannover. Ganz im Gegenteil zu Georg III. Dieser reiste nie nach Hannover. Aber eben dieser ließ diese Karten anfertigen. Er mochte die Landwirtschaft. Georg III. wurde deshalb auch Farmer George genannt. Georg III. stammt zwar aus dem Königshaus Hannover, wurde aber in England geboren und wuchs englischsprachig auf. Er litt an einer Form der Geistesgestörtheit - heute nimmt man an, er litt unter Porphyrie. Dies ist eine Stoffwechselerkrankung, die schwer nachweisbar ist. Sie kann vererbt sein oder erworben werden (beispielsweise durch eine Bleivergiftung). Die erbliche Form tritt meist im frühen Erwachsenenalter auf. Störungen werden durch bestimmte Faktoren wie z.B. Stress, Hunger, Alkohol, Medikamente ausgelöst. Deshalb ist die Erkrankung schwer zu bestimmen.

Jedenfalls in den Zeiten, in denen sich Georg III. wohlfühlte, hat er einiges bewegt und dafür gesorgt, dass auch von Deutschland geografische Karten angefertigt wurden.

Von 1780 gibt es beispielsweise eine riesengroße Landkarte von Bremen bis Stade, die in der British Library ausgestellt ist. Dort, in Berlin und auch in der Leibniz Bibliothek in Hannover sind viele dieser und weiterer Karten ausgestellt. Auf einer dieser Karten entdeckte Margarete von Schwarzkopf auch den Ort Brest-Aspe. Ein Ort, fünf Häuser, eine Bahnstation und mehrere Bauernhöfe. In ihrem Buch Der Moormann ist es Brester Holz.

Margarete von Schwarzkopf stöbert gerne in Antiquariaten. So war sie in London und fand dort in einem Antiquariat eine wundervolle Karte von 1801, angefertigt von John Cary. John Cary war gelernter Kupferstecher und hat sich mit Globen, geografischen Karten und seinem Atlas einen Namen gemacht. Diese Original-Karte aus dem Jahre 1801 sollte den stolzen Preis von 500 Pfund kosten. Das war Margarete von Schwarzkopf zu teuer. - Nicht, dass die Karte es nicht wert wäre, aber 500 Pfund bleiben 500 Pfund. Eine reizende junge Dame, die in dem Antiquariat beschäftigt ist, erkundigte sich bei Margarete von Schwarzkopf, ob es denn die Karte sein soll. Margarete von Schwarzkopf erzählte ihr, dass sie sehr interessiert sei, da sie gerade über diese Zeit, über diesen Landstrich, ein Manuskript beim Verlag eingereicht habe und das Buch - Der Moormann - demnächst erscheinen werde. Aber 500 Pfund liegen einfach nicht in ihrem Budget. Die Mitarbeiterin griff zum Telefon und rief den Besitzer des Antiquariats an und schilderte die Situation. Dieser sagte: "wipe out one Zero!" Und  so kostete diese wundervolle Karte aus dem Jahre 1801 nur noch 50 Pfund für Margarete von Schwarzkopf. Da konnte und wollte sie auch nicht mehr nein sagen und erstand die Karte von John Cary.

Rund um das Buch Der Moormann können sicher noch zahlreiche Geschichten und Anekdoten erzählt werden, aber, wie kam es zu dem Buch?

Die Idee zu dem Buch kam Margarete von Schwarzkopf als sie an ihrem vorherigen Buch Traum vom Weltreich arbeitete. Und ein Traum war dann der Auslöser, dass sie den Entschluss fasste, das Buch Der Moormann zu schreiben. Diesen Traum vom Moor: Margarete von Schwarzkopf wandert in ihrem Traum durchs Moor und verirrt sich. Sie trifft auf ein Schloss - ein Schloss im Moor. Eine Katze sitzt davor. Margarete von Schwarzkopf hat keinen Bezug zu Katzen und dennoch folgt sie ihr in das Schloss hinein. Im Schloss angekommen, sieht Margarete von Schwarzkopf sich um: die Wände hängen voll mit geografischen Karten. - Na, wenn das kein Zeichen ist! Und so kam es dazu, dass Margarete von Schwarzkopf die Geschichte Der Moormann zu Papier brachte.

Im Anschluss an ihre Lesung beantwortete Margarete von Schwarzkopf noch Fragen aus dem Publikum und signierte die Bücher ihrer Leser.

Margarete von Schwarzkopf beim Signieren ihrer Bücher
Foto: Cornelia Fett
Nun werde ich es mir mit dem Buch Der Moormann gemütlich machen und wer Lust bekommen hat, das Buch zu lesen: Erschienen ist es im Emons Verlag 2017, ISBN 978-3-7408-0215-8. Es ist 368 Seiten stark und ebenfalls als E-Book erhältlich.

Viel Spaß bei der Lektüre!



Montag, 30. Oktober 2017

Jo Nesbø - Durst

Anlässlich des 10. Braunschweiger Krimifestivals habe ich die Lesung von Jo Nesbø im C1 Cinema besucht. Hier hat er sein neues Buch Durst vorgestellt. An seiner Seite: Margarete von Schwarzkopf und Oliver Mommsen.

Cornelia Fett

Doch zunächst ein kurzer Rückblick:
Am 2. November 2008 war Jo Nesbø bereits beim Braunschweiger Krimifestival dabei und hat dort seinen Krimi Schneemann präsentiert. - Mit genau diesem Buch ist er nun in den deutschen Kinos! - Vielleicht ein toller Einstieg, den Ermittler Harry Hole, in dem es in bereits elf seiner Bücher geht, kennen zu lernen. - Jedenfalls für diejenigen, die noch keinen Harry Hole-Krimi von Jo Nesbø gelesen haben. Schneemann ist der siebte Harry Hole Fall.
Auch 2008 hat Oliver Mommsen den deutschen Part der Lesung übernommen und Margarete von Schwarzkopf die Moderation.

Mit Jo Nesbø
Foto: Cornelia Fett

Begonnen hat alles auf einem Flug nach Australien. Jo Nesbø war Börsenmakler in Norwegen und stand - mit Anfang 30 - zusätzlich fast jeden zweiten Abend mit seiner Folkrock-Band auf der Bühne. Doch irgendwann wollte er dieses "Leben auf der Überholspur" nicht mehr weiterführen und nahm sich ein halbes Jahr Auszeit durch unbezahlten Urlaub. In dieser Zeit wollte er ein Buch über sein Leben mit der Band "Di Derre" (zu deutsch: "Die da") schreiben. Doch auf seinem Flug nach Down Under kam ihm die Idee einen Krimi zu schreiben. Einen Krimi über einen Ermittler, der keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen Regeln und Gesetze macht und stets auf der Suche nach Gerechtigkeit ist: Harry Hole. Und so entwickelte er diesen sympathischen Kommissar, der in seinen Grundzügen ein wenig an Batman - den Fledermausmann - erinnert. Auch Harry Hole wurde verletzt, Rache und Gerechtigkeit werden bei ihm groß geschrieben. Und so heißt der erste Harry Hole Fall passenderweise Der Fledermausmann.

Glücklicherweise ist Oslo - so sagt der Autor - 90 % friedlich und lediglich 10 % Gotham City. - Bei dieser Gelegenheit erinnert Jo Nesbø an das schlimme Norwegen Massaker vor einigen Jahren. Am 22. Juli 2011 hatte Anders Behring Breivik vor dem Bürogebäude des Ministerpräsidenten in Oslo eine Autobombe gezündet und setzte anschließend mit dem Boot auf die Insel Utøya über und tötete dort 67 Menschen durch Schüsse. Weitere acht Opfer kamen durch den Bombenanschlag ums Leben, eine Person auf der Insel starb durch einen Sturz vom Felsen, eine weitere Person ertrank auf der Flucht. Dieser Anschlag zeigt, dass "der Feind auch im Inneren lauert" und nicht nur von außen hinein kommt. 

Tisch der Buchhandlung Graff
Foto: Cornelia Fett

Wie aber kam Jo Nesbø zu seiner Idee für seinen neuesten Harry Hole Fall? 

Jo Nesbø lebt in Oslo und hat von seiner wunderschönen Wohnung aus einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Er hat eine Kaffeemaschine, einen großen Monitor und seine Musik! - Und dennoch ist es der einzige Ort auf der Welt, an dem er nicht schreiben kann! 
Stattdessen bevorzugt er es, in einem nahen Café an seinem Lieblingsplatz seinen Laptop aufzustellen, die Kopfhörer einzustöpseln und seine Musik zu hören. - Sollte sein Lieblingsplatz mal besetzt sein, so setzt er sich gut sichtbar hin und schaut diese Person die ganze Zeit über an, bis diese den Tisch verlässt und Jo Nesbø an seinem Lieblingstisch Platz nehmen kann. - 
Irgendwann im Laufe der Zeit, an dem er an seinem Tisch sitzt und Musik hört, gewinnen die Gespräche an den Nebentischen sein bevorzugtes Interesse und er macht die Musik immer leiser und lauscht den Stimmen. An den Nachbartischen sitzen oft Pärchen - oder zumindest Menschen, die auf der Suche nach einem Partner, Flirt oder mehr sind. Viele lernen sich über die Dating App Tinder kennen und verabreden sich zum ersten Mal in diesem Café. 
Viele sind anfangs sehr schüchtern und unterhalten sich - gefühlt stundenlang - über beispielsweise Gartenarbeit. Andere wieder sind schonungslos offen und reden gleich darüber, welche Art von Sex sie bevorzugen. 

Da war sein Interesse für die Dating App geboren. Doch selbst anmelden wollte Jo Nesbø sich dort nicht. Zu Recherchezwecken hat seine Bekannte sich dort angemeldet und er durfte ihr "Flügelmann" sein. So stürzten sie sich sozusagen in den "War of Love" - den Krieg der Liebe. 

Margarete von Schwarzkopf, Jo Nesbø und Oliver Mommsen im Gespräch
Foto: Cornelia Fett

Doch wodurch kommen die Opfer um in dem neuen Buch Durst? - Hier geht es um Vampirismus. Ein wenig verbreitetes Thema, da diese Fälle häufig mit Schizophrenie oder möglichen anderen Psychosen einhergehend abgehandelt werden. Bezeichnet wird diese Krankheit manchmal als Renfield Syndrom - nach einer Person in Bram Stokers Dracula. Auch wenn dieser sich an dem Genuss tierischen Blutes durch das Essen von Insekten labte. 

Beim Vampirismus geht es darum, seinen Durst durch Blut zu stillen, vielleicht auch die Intimität, jemanden in sich aufzunehmen und auch sich mittels des Blutes des anderen zu schützen sowie dessen Kraft aufzunehmen. 

Jo Nesbø warnt jedoch zur Vorsicht: Blut ist sehr eisenhaltig und kann bei übermäßigem Genuss die Leber schädigen! 

Der bekannteste Fall von Vampirismus ist sicherlich die brutale Serie an Morden und Mordversuchen des Peter Kürten. Er galt als der "Vampir von Düsseldorf". Peter Kürten starb am 2. Juli 1931 in Köln. - Aber seine Geschichte lebt weiter. So z.B. in Stephen Kings "Brennen muss Salem" oder auch in John Katzenbachs "Das Rätsel". 

Wer, wenn nicht Harry Hole, könnte also einen solchen Serienmörder stellen?
Sicher, Harry Hole ist in die Jahre gekommen. Er hat seinen Job als Kommissar "an den Nagel gehängt" und ist nunmehr als Dozent tätig. Er ist nicht nur älter geworden, sondern auch verletzlich. Harry Hole ist glücklich verheiratet und verbringt viel Zeit mit seinem Stiefsohn. Durch diese Beziehungen ist er verletzbar. - Leider ist Harry Hole aufgrund seiner Vergangenheit auch erpressbar. Und, da er noch dazu der einzige zu sein scheint, der den Mörder aufhalten und stellen kann, übernimmt er einen weiteren Fall.

Viel Spaß bei der Lektüre des elften Falls für Harry Hole!

Mit Oliver Mommsen
Foto: Cornelia Fett

Eins noch: Es wird einen weiteren Fall für Harry Hole geben!
Jo Nesbø arbeitet gerade an zwei neuen Werken: Im nächsten Jahr erscheint zunächst Macbeth, ein Thema, dass er sich aus Shakespeare ausgesucht hat. Und deshalb wird leider erst 2019, spätestens aber 2020 der neue Harry Hole Krimi erscheinen.

Jo Nesbø erschien extra eine Stunde vor der Lesung, um alle Signaturwünsche erfüllen zu können
Foto: Cornelia Fett


Quellennachweis:
Literatur Niedersachsen - Lesung Schneemann
Anschlag in Norwegen 2011
Renfield-Syndrom
Peter Kürten


Sonntag, 8. Oktober 2017

Das Café unter den Linden - Joan Weng - Rezension


Das Café unter den Linden
von Joan Weng
erschienen als Aufbau Taschenbuch
der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG
ISBN 978-3-7466-3294-0


Klappentext
Frühling 1925: Als Fritzi in Berlin ankommt, bringt sie nicht mehr mit, als ein gebrochenes Herz, eine Reiseschreibmaschine und einen Traum: bei der UFA Drehbücher schreiben. In der schillernden Metropole findet sie sich schnell in einem Kreis von Malern, Schriftstellern und Musikern wieder, die das Leben und die Kunst feiern. Und dann trifft sie einen Mann, der alles für immer verändern wird. In einem Café unter den Linden ...

Cover
Bereits das Cover entführt mich in die richtige Zeit: die 20er Jahre! Ist der Hintergrund schlicht grau gehalten, kommen die beiden Damen auf dem Cover mit ihrer Kleidung in den Farben rosé, grün und verschiedenen Blautönen wundervoll zur Geltung. Die Schrift ist pink und schnörkellos, so dass den beiden Frauen der Erfolg des Hinguckers bleibt. Der Titel ist durch die Farbgestaltung und Größe der schlichten Buchstaben dennoch einprägsam.


Die Charaktere
Die Hauptperson in dem Roman ist die junge Fritzi. Nach dem Verlust der Eltern und der Trennung von ihrem Verlobten reist sie aus der Provinz in das schillernde Berlin. Sie wünscht sich, nicht mehr das junge Mädel vom Lande zu sein, sondern bald auch mit "makellosen Seidenstrumpfbeinen und dauergewelltem Bubikopf" durch die Straßen und Cafés Berlin zu ziehen.
Die erste Hürde die sie dabei nehmen muss, ist den Grafen von Keller dazu zu bewegen, seine Memoiren zu schreiben - und sie dafür als Tippfräulein zu engagieren.

Der Graf von Keller - später dann als Hans bekannt - ist die nächste wichtige Person in dem Roman. Zeigt er Fritzi zunächst seine spröde, kalte Seite und verwehrt ihr Job und Unterkunft, so ist er - nach dem Verlust seines Tippfräuleins - letztlich doch geneigt, Fritzi zu beschäftigen.


Meine Meinung
Glücklich, das Buch mit dem wundervollen Cover in den Händen zu halten, konnte ich es nach dem Lesen der ersten Zeilen bereits nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin beschreibt sämtliche Charaktere mit einer wahren Liebe zum Detail, so dass ich schnell in die Geschichte und zu den persönlichen Wünschen und Nöten der einzelnen, zwischen den Zeilen zum Leben erwachten, Personen gelange. Der Schreibstil ist flüssig und lebendig. Auch der Humor kommt in diesem Roman nicht zu kurz und an einigen Stellen im Buch muss ich laut und herzlich lachen. Zudem ist die Geschichte auch sprachlich im Stil der 20er Jahre gehalten, so dass ich oftmals Schmunzeln musste.
"Das Café unter den Linden" zu lesen, war für mich eine wirkliche Auszeit. Kaum hatte ich das Buch zu Ende gelesen, begann ich erneut in die Geschichte einzutauchen.
Fritzi ist ganz einfach herzerfrischend und ich habe sie gleich in mein Herz geschlossen!

Berlin-Aufenthalt Juli 2017 mit dem Roman "Das Café unter den Linden" von Joan Weng

Fazit
"Das Café unter den Linden" ...
Für diesen Roman: fünf Sterne plus!
Der Roman nutzt historische Details, ohne den Lesegenuss einer Romanze zu beschweren.
Ich steige jederzeit gern mit Fritzi aus und tauche ein ins Berlin der 20er Jahre.


Montag, 18. September 2017

Elisabeth Herrmann - Stimme der Toten

Elisabeth Herrmann befindet sich gerade mit ihrem neuen Kriminalroman Stimme der Toten auf Lesereise. Das Buch ist im August 2017 beim Goldmann Verlag erschienen. Die Premierenlesung fand in Grönland anlässlich einer Kreuzfahrt vor einigen Tagen statt - die Vorstellung des Romans auf Deutschem Boden heute, am 18. September 2017, in der Buchhandlung Leuenhagen &  Paris in Hannover.

Elisabeth Herrmann zu Gast bei Leuenhagen & Paris
Foto: Cornelia Fett

Elisabeth Herrmann ist auf einigen Umwegen dazu gekommen, als Autorin zu arbeiten.
Nach Ihrer Ausbildung zur Bauzeichnerin holte sie ihr Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium nach und arbeitete als Rundfunk- und Fernsehjournalistin beim rbb. Vermutlich wäre sie dort immer noch, wie sie mir in einem kurzen Interview verriet: Im Rahmen von Recherchearbeiten für eine Dokumentation über den Beruf des Kindermädchens musste sie leider erfahren, dass niemand diesen Stoff, den sie für überaus interessant und mitteilenswert empfand - senden wollte.
Nachdem Elisabeth Herrmann keine weitere Chance sah, diese Dokumentation zu präsentieren, beschloss sie, ein Buch darüber zu schreiben. Sie versah das vorhandene Material mit kriminalistischen Impulsen - diese Arbeit kostete sie 5 Jahre. Mit Erfolg! Der Roman Das Kindermädchen brachte ihr den Durchbruch als Autorin! Das zeigt einmal mehr, dass man, wenn man mit Herzblut dabei ist und sich selbst treu bleibt, auch Wege beschreiten kann, die vorher gar nicht sichtbar waren.

Tatsächlich hat Elisabeth Herrmann zuvor auch schon zwei weitere Bücher geschrieben. Das erste im Alter von 20 Jahren. - Von Zeit zu Zeit holt sie sich diese Seiten hervor, und staunt, was sie schon damals zu Papier gebracht hat. - Wer weiß, vielleicht kommen wir - ihre Leserschaft - ja auch eines Tages mal in den Genuss, diese Zeilen lesen zu dürfen.

Zurück zu ihrem neuen Buch Stimme der Toten. Dieses handelt von Judith Kepler. Judith Kepler ist von Beruf Tatortreinigerin. Und eine aufmerksame Person noch dazu!

Der Klappentext:

Ein ganz normaler Job für Judith Kepler: In einer großen Bank ist ein Mann in die Tiefe gestürzt, und sie soll den Tatort reinigen. Judith ist Cleaner. Doch mit dem vermeintlichen Selbstmord stimmt etwas nicht. Judith informiert die Kripo und gerät dadurch ins Visier eines mysteriösen Mannes: Bastide Larcan. Er weiß viel über Judiths Vergangenheit, Details, die sogar ihr verborgen geblieben sind. Aber was hat er mit dem Toten in der Bank zu tun? Und warum weiß er genau, wo Judiths schwache Stelle ist? Um mehr zu erfahren, lässt sie sich auf einen lebensgefährlichen Handel mit ihm ein. Und weckt damit die Geister ihrer Kindheit, die nur darauf gewartet haben, zu erwachen und jeden zu vernichten, der ihr Geheimnis enthüllt.

Elisabeth Herrmann fesselte mich während der Lesung nicht nur mit ihrer Stimme und ihrem Vortrag, sondern auch mit dem Inhalt des Krimis und den wohlgesetzten Pointen in der Geschichte. Der Charakter der Judith Kepler ist vielschichtig und interessant und bildhaft dargestellt. Ich bin sehr gespannt, mehr über die Protagonistin zu erfahren.

Elisabeth Herrmann anlässlich ihrer Buchvorstellung Stimme der Toten
Foto: Cornelia Fett

Bei dem Roman Stimme der Toten handelt es sich bereits um das zweite Werk um die Person der Judith Kepler. Der erste Roman erschien 2011 und heißt Zeugin der Toten. Dieses Buch wurde auch bereits mit Anna Loos in der Hauptrolle für das ZDF verfilmt.

Neben weiteren Werken wurde auch Das Kindermädchen - welches ihr erstes herausgegebenes Buch war - verfilmt. In der Hauptrolle ist Jan-Josef Liefers als Joachim Vernau zu sehen.

Von Elisabeth Herrmann werden wir sicher ganz bald wieder Neues lesen! Ich freue mich drauf!

Elisabeth Herrmann und Cornelia Fett

Quellen:
Elisabeth Herrmann - wikipedia

Sonntag, 2. Juli 2017

Hans-Josef Ortheil - Was ich liebe und was nicht

Hanns-Josef Ortheil lerne ich in der Alten Schlosserei der Stadt Lehrte kennen - wenigstens einen kleinen Teil von ihm - während einer Lesung zu seinem neuen Buch Was ich liebe und was nicht.

Hanns-Josef Ortheil am 3. Mai 2017 in der Städtischen Galerie Lehrte
© Cornelia Fett
Allein bei dem Titel komme ich ins Überlegen, wie ich empfinde; Was ich liebe und was nicht.

Genau das spricht Hanns-Josef Ortheil auch aus, als er sein Buch vorstellt. Mit seinem neuesten Werk will er den Leser dazu animieren, sich selbst diese Fragen zu stellen. - Und dann können wir unser eigenes Buch darüber schreiben! - Warum nicht?

Das Buch ist in Essays gehalten - Essays: kleine Versuche, Versuche nachzudenken.
Es geht um zentrale Lebensfragen. Etwa um Freundschaft, Liebe, Wohnen, Musik hören, Kunst sehen oder gar das Alleinsein ...

In seiner Lesung geht Hanns-Josef Ortheil auf einige dieser Fragen ein.

Als ersten Punkt hat er sich für uns das Thema Wohnen, als Wohnen und da bleiben, herausgesucht. Sein Zuhause, so sagt er, sei der Westerwald. Auch wenn das Leben dort nicht so spannend ist, wie das Leben auf Reisen.

Und so kamen wir auch auf das zweite für uns vorbereitete Thema, das Reisen, zu sprechen.

Der Vater von Hanns-Josef Ortheil war als Vermessungsingenieur bei der Bahn tätig. Daher kam es, dass die Familie, wenn sie denn reiste, mit dem Zug unterwegs war. Die Familie lebte seinerzeit in Köln.

Mitte der 60er Jahre wurde dann ein Auto angeschafft. Warum? Alle hatten ein Auto!
So legte sich die Familie einen gebrauchten VW Käfer zu. Dieser stand dann vor der Wohnungstür. Nach einiger Zeit sagten sie sich, dass er vielleicht auch mal gefahren werden müsste. So sind sie am Wochenende losgefahren, haben geparkt und einen langen Spaziergang unternommen und sind dann mit dem Bus nach Hause gefahren - an das Auto hatten sie erst wieder gedacht, als sie eine Haltestation von zu Hause entfernt waren.
Nun ja, so wurde das Auto wieder verkauft.

Daher ist Hanns-Josef Ortheil das Autofahren fremd.

Als nächstes präsentierte uns Hanns-Josef Ortheil das Thema Mahlzeiten.
Nun, zu diesem Thema hat jeder sicher seine ganz eigene Meinung. Was Hanns-Josef Ortheil bemerkenswert findet, wenn er auf Reisen ist, ist das Essverhalten am Frühstücksbuffet im Hotel. Viele Gäste gehen ein- ums andere Mal zum Buffet und essen gar mehr, als sie benötigen, um satt zu sein. Daher bevorzugt Hanns-Josef Ortheil einen Hotelaufenthalt ohne Frühstücksbuffet und geht lieber zur Bäckerei nebenan und isst tatsächlich nur das, was er wirklich zum Frühstück essen mag.

Ein weiteres Thema behandelt sein Schriftstellerleben.

Hanns-Josef Ortheil wurde nicht als Schriftsteller geboren. Tatsächlich begann er zuerst sich mit Musik als mit Worten auszudrücken. Warum das so gewesen ist, konnte ich auf der Seite von Hanns-Josef Ortheil bei Wikipedia ergründen: durch mehrere Schicksalsschläge ist damals seine Mutter verstummt und damit auch Hanns-Josef Ortheil. Bis zu seinem 7. Lebensjahr blieb er stumm, erst dann begann er - nach vierjähriger Pause - wieder zu sprechen.

Seine Ausbildung zum Pianisten begann im Alter von 4 Jahren und endete im Alter von 24 Jahren.
Erst dann begann Hanns-Josef Ortheil mit der Schriftstellerei. Hanns-Josef Ortheil ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Germanist und Hochschullehrer.

Was er bei seiner Tätigkeit als Autor erfahren durfte war, dass er als Autor plötzlich auch Lesungen halten können und Interviews geben soll.
Sein Buchtipp hierzu: Andy Warhols Interviews. Sie bestechen durch hemmungslose Positivität, sagt Hanns-Josef Ortheil.

Als letzten Punkt für diesen unterhaltsamen Abend hatte sich Hanns-Josef Ortheil den Sport ausgesucht. Auch wenn Hanns-Josef Ortheil einmal eine Spitzenzeit gelaufen ist, war Laufen absolut nichts für ihn. Das sollte sich nicht wiederholen!

Wiederholen soll sich auch nicht Hanns-Josef Ortheils Karriere als Pianist. - Als Pianist, so sagt Hanns-Josef Ortheil, muss man täglich üben. Spielt man mal eine Woche lang nicht, fehlt schon die Fingerfertigkeit, die Ruhe und Gelassenheit am Flügel, die man so dringend braucht, um ein Konzert geben zu können.
Privat setzt sich Hanns-Josef Ortheil schon mal wieder ans Klavier, nicht aber für Konzerte und öffentliche Auftritte.
Für das Hörbuch zu Was ich liebe und was nicht hat sich der Schriftsteller dennoch wieder ans Klavier gewagt.

Cornelia Fett und Hanns-Josef Ortheil
© Cornelia Fett

Quellen:
Wikipedia - Hanns-Josef Ortheil

Samstag, 29. April 2017

Conni & Co 2 - Das Buch zum Film - Vanessa Walder - Rezension

Conni & Co 2 - Das Buch zum Film
Vanessa Walder
Carlsen Verlag
ISBN 978-3-551-55934-0
249 Seiten

Klappentext:
Conni und ihre Freunde verbringen wie jedes Jahr ihre Sommerferien auf der Kanincheninsel vor den Toren der Stadt. Doch das Naturparadies ist in Gefahr: Der Bürgermeister und ehemalige Schuldirektor Möller will ein Hotel auf der Insel bauen. Und Connis Vater soll der Architekt des neuen "Gigantotels" werden. Als Hund Frodo einen Dinoknochen auf der Insel findet, ist das für Conni & Co die Chance, deren Zerstörung zu verhindern. Conni nimmt den Kampf auf: Rettet die Kanincheninsel!

Hauptperson ist die zwölfjährige Conni. Im Film wird sie von Emma Schweiger dargestellt, was man auch wunderbar anhand der im Mittelteil angesiedelten Filmfotos sehen kann. Conni ist lebenslustig und quirlig und bildet sich stets ihre eigene Meinung, die sie zudem auch Freunden und Erwachsenen gegenüber vertreten kann.

Meine Meinung:

Ein bisschen erinnert mich der Charakter und das Gros der Geschichte an Bibi Blocksberg, nur dass Conni ganz ohne Hexerei und Hexenbesen auskommt.

Die Gestaltung des Buches finde ich erfrischend. Mit den rot-weißen Streifen stimmt es schon fröhlich und auch das Lachen von Emma Schweiger auf dem Buchtitel macht gute Laune. Die Schriftgröße ist sehr angenehm zu Lesen und die Fotos aus dem dazugehörigen Film im Innenteil lassen erahnen, dass man auch im Film ganz auf seine Kosten kommt.

Die Geschichte ist gut erzählt, Ungereimtheiten fielen mir keine auf und der Schreibstil ist flüssig. Die Sätze sind kurz gehalten und verständlich. Von Anfang an hatte ich Spaß daran, die Geschichte zu lesen und die Erlebnisse weiterzuverfolgen.

Das Buch ist hervorragend für Kinder ab 8 bis 14 Jahren geeignet, aber auch junggebliebene Erwachsene haben sicher ihren Spaß beim Lesen - oder Vorlesen.